Die Welt ist ein Dorf

Wenn wir inzwischen hier über den Campingplatz latschen, kennt uns jeder . Und wir kennen jeden .

Herr Müller weiß ,auf welchem Platz Familie Sowieso steht und sogar die Straße plus Nummer .

Er fühlt sich wohl . Pfeift vor sich hin , tanzt und macht Späße mit jedem Angestellten .

Wenn ihm der Strand nicht sauber genug ist , holt er sich einen Rechen und macht es selbst .

Auf die Frage : wollen wir denn nicht noch weiterfahren , kommt die Antwort; warum denn , hier ist es doch schön.

Mimi kennt inzwischen auch viele und alle kennen sie. Die weiße Massai eben . Manchmal redet sie sogar mit jemandem beim abspülen . Gestern saß sie das erste mal im Bikini vor dem Bus . Normalerweise liegt sie mit de Luftmatratze hinterm Bus .

Ein Zeichen dafür , dass auch sie sich inzwischen hier wohl fühlt .

Und trotzdem ruft ihr der listige Nordwind zu : weiter , weiter . Es gibt noch soviel mehr zu entdecken .

Zuerst hat sie sich über Herrn Müller geärgert . Weil er sich hier genauso benimmt wie daheim . Weil er diesen Campingplatz zu seinem Dorf gemacht hat . Dem Ort , von dem er immer weg wollte . Weil ihn jeder kennt und er jeden kennt .

Und jetzt ? Neuer Ort , neues Land , andere Menschen und dennoch wieder gleiches .

Aber halt : ist das nicht eigentlich fantastisch ? Ist es nicht genau der Schlüssel ?der Schlüssel für etwas Neues ? Zu wissen , dass wir uns überall unser Dorf schaffen können ?

Home is where your heart is.

My Home is where I park my van.

Die Sprüche kennt jeder .

Trotzdem ist es nicht einfach sich eine neue Heimat zu schaffen . Aber wenn man neues kennenlernen will, ist es doch schön zu wissen , dass man sich überall wohl fühlen kann . Wenn man will . Und offen ist .

Gepfiffen wird schließlich in jeder Sprache .

Und jetzt gehen wir Würstchen grillen zu den Nachbarn .

😜

Die Hippies haben nen Platz in der ersten Reihe bekommen…

…..sagte eine Frau, die mit dem Rad an uns vorbei fuhr.

Soll man sich darüber aufregen, darüber lachen, oder einfach darauf stolz sein?

Ja, wir stehen in der ersten Reihe, haben einen der besten Plätze und einen der beiden schönsten Plätze. Und das, weil wir ihn uns schön machen, egal wo der Platz ist. Und es kommen Leute vorbei, die sagen, dass wir es uns richtig schön gemacht haben.

Wir sind da, angekommen, akzeptiert, aufgenommen in der Camperkompanie. Mimi fragt Herr Müller immer, wo er bleibt, wenn er nur kurz spülen geht, oder nur ein Baguette kauft. Es dauert eben, jeder kennt uns und redet mit uns. Und die, die sich nicht trauen uns an unserem Platz anzusprechen, tun es eben im Supermarkt, an der Rezeption oder am Spülbecken.

Erst waren die Blicke, als wir mit Eddie an einen anderen Platz gekommen sind. Oh Gott, ein Baby! Spätestens nach 2 Tagen war Eddie der beste Freund. Wir wurden gefragt, ob wir ihm Abends Valium geben. Nein, er ist so lieb.

Von ehemaligen Nachbarn bekommen wir Eintrittskarten für den Pool im Club nebenan geschenkt.

Die Leute kommen zu uns und verabschieden sich ein Tag bevor sie fahren, oder sie winken, wenn sie vorbei fahren. Sogar der etwas wortkarge Schalke-Fan (sein morelo-Zeichen vorne auf seinem Luxus-Camper wurde durch ein S04-Emblem ersetzt und seine Armbanduhr ist ungefähr so groß wie die in unserem Wohnzimmer) klopfte Mimi auf die Schulter und sagte in Ruhrpottslang zu ihr : schönenurlaubnochbisnächstesjahr. – unbeschreiblich. Bis nächstes Jahr, das hören wir so oft?!?!?

Aber wollen wir das alles? Reservieren für nächstes Jahr, den gleichen Platz? Genau so spiessig zwischen denen stehen, die teilweise schon über 30 Jahre am gleichen Platz stehen? Ist das Freiheit? Haben wir dafür Mo, unseren Bus mit dem wir überall stehen können? Wir haben noch nie reserviert und werden es auch nicht tun. Ein Camper neben uns sagte, er reserviert nicht, wenn es ihm nicht gefällt, fährt er weiter. Richtig, sonst könnten wir in einen Club fliegen und dort Urlaub machen. Aber egal wie, jeder will doch nur glücklich sein und seinen Urlaub genießen.

Das wir jetzt so lange am selben Fleck sind, ist eben so. Warum auch nicht, es ist schön und es passt eben alles. Wer weiß, was nächstes Jahr ist.

Grüße nach Dortmund, geile Idee mit den Kerzen.

Begegnungen

Manchmal sind es die leisen Töne, die einen näher bringen . Näher zu den Menschen und näher zum Boden, zum Leben.

Wir hingen vor dem Bus am Strand ab. Stand ein Typ mit Baby vor uns. Quatscht uns an, setzt sich zu uns , die Babies spielen . Wir unterhalten uns. Easy. Passt .

Seine Frau kommt dazu. Blabla . Locker .

Wir verabreden uns auf ein paar Biers abends .

Wieder ist alles entspannt . Wir reden übers reisen , Auszeit nehmen etc.

Und irgendwann kommt der Moment , da erzählt Mimi ihre Geschichte . Dass kein Sabbatjahr mehr nötig war, für die Reise. Dass der Hirntumor da war , dass die Arbeit nicht mehr machbar ist und wie alles begann . Wir reden leise und ruhig direkt am Meer . Unterm Sternenhimmel .

Herr Müller erzählt seine Geschichte. Von der Suche bis zur Diagnose . Unser kennenlernen.

Das Päarchen ist interessiert , hört zu. Fragt an den richtigen Stellen .

Und plötzlich sagt sie : Zeit unsere Hosen runter zu lassen .

Und erzählt ihre Geschichte . Die Geschichte von Mia. Ihrem ersten Baby . Der grossen Schwester von Louis,dem Baby , dass sie dabei haben .

Mia ist bei den Sternen . Im Bauch noch , hat sie beschlossen sich nicht weiterzuentwickeln . Nicht den Weg in die Welt zu wagen . Eine Welt , die mit „andersartigen “ nicht gut umgeht. Die manchmal bitter und gemein sein kann , wenn man nicht ist wie die anderen .

Wir wissen das auch .

Diesmal lauschen wir. Ruhig sprechen wir , fragen . Unterhalten uns WAS wichtig ist . Einen Wert hat im Leben .

Aus der chilligen Mittagsbegegnung wurde ein tiefes Meer. Ein Meer voller Schicksale , und dennoch tief rein und klar .

Uns hat das gut getan . Den beiden vielleicht auch .

Wir tauschen Nummern und als wir den beiden am nächsten Tag beim abfahren hinterher winken, denken wir: man sieht sich immer zwei mal im Leben . Mindestens .

Und heute Abend werden wir in den Himmel schauen nach den Sternen . Und dann werden wir Eddie in den Arm nehmen und ihm jede Flasche bringen , die er zum schlafen braucht. Ohne Murren.

Weil er das größte Geschenk ist , dass wir je bekommen haben .

Und weil genau solche Menschen und Gespräche unser Leben bereichern und uns dazu bringen immer weiter zu machen , das beste aus dem Leben zu machen, achtsam zu sein und dankbar .

Für jeden Moment .

Verkehrte Welt ..?!

Waren wir im letzten Blogbeitrag noch die unerwünschten Assis bzw. die Außenseiter??

Mussten uns mutig unseren Weg bahnen und um unsere Rechte kämpfen ?

Upside down!!

Wir sind jetzt DIE Exoten hier ! Und zwar DIE, die jeder kennt . Grüßt, ein Pläuschen hält. Eddie ist de Liebling des Platzes und dank der englischen Kolonie hier, die ihn gerne adoptieren möchte , demnächst englisch sprechend.

Was ist geschehen ?

Nichts . Wir waren einfach nur wir .

Und offensichtlich braucht die Menschheit manchmal einfach ein bischen länger , bis sie auftaut .

Und direkt vor unserer Nase haben wir ein seelenverwandtes Paar gefunden . Sie, bunt und ähnlich interessiert wie Mimi , er das Pendant zu Herr Müller .

Passt wie Arsch auf Eimer .

Und die anderen ? Die , die uns immernoch aus der Ferne beobachten .Die Köpfe zusammen stecken und vielleicht keine netten Sachen sagen ?

Sch… drauf !

Oder wie unseren Nachbarn gegenüber sagen würden :

Die Schweine von heute , sind morgen der Schinken.

So sieht’s nämlich aus !

😊

Nachtrag

Zum letzten Eintrag haben wir so wundervolles Feedback bekommen ! Danke hierfür !

Unter anderen von jemandem , der uns schon vor einigen Wochen ein Geschenk gemacht hat .

Mit den Worten : bei dem Titel musste ich an uns denken . Total verschieden und dennoch im Herzen verbunden .

.. und nach diesem Motto wollen wir weiter leben und reisen !

Und falls es euch technisch möglich ist , bitte auch gerne hier kommentieren oder ein like vergeben !

Nordpol, Südpol,egal !WIR polarisieren

Also uns ist schon klar , dass wir mit unserem Bus Aufmerksamkeit erregen . Uns ist auch klar , dass Herr Müller mit seinen Tätowierungen und seiner Erscheinung ein Hinkucker ist .

Uns war auch bewusst , dass Mimi mit ihrer neuen Frisur als weiße Massai auch nicht jedermanns Sache ist .

Und jetzt haben wir uns auch noch ein RIESEN Tuch mit einem TOTENKOPF ans Auto gehängt . Als Sonnensegel.

Das arme Kind ….

Manchmal nervt es . Manchmal denkt Mimi , wenn sie ins Meer geht und die Leute tuscheln : Fickt euch. Und ist gekränkt .

Manchmal hebt sie den Kopf noch ein wenig höher und lächelt .

Manchmal denkt Herr Müller , wir haben die beste Zeit unseres Lebens. Unkonventionell. Frei.

Und wenn uns dann wieder ein Grosscamper von oben herab behandelt und die Nerven blank liegen : ich zeig dir gleich meinen Porsche Schlüssel , du Würstchen. Und bezahlt ist der auch ,im Gegensatz zum Reisecamperbus.

Unsere Fotos sind bunt und schön . Wir lächeln , sind glücklich .

Aber nicht jede Sekunde . Manchmal ist es einfach schwierig . Schwierig anders auszusehen , aber vor allem anders zu SEIN.

Niemand sieht wie anstrengend es für uns ist , bei der Rezeption ständig nach einem neuen Platz zu fragen , weil nebenan zwei Dobermänner eingezogen sind und wir Eddie nicht mehr auf dem Boden spielen lassen können.

Wie anstrengend es ist , uns drei zu organisieren .

Manchmal den Faden zu verlieren im Gespräch . Im Supermarkt.

Und dennoch : es geht uns gut !!! Wir polarisieren !!

Und wir haben verdammt nochmal jedes Recht Totenköpfe aufzuhängen , Rastas zu tragen und ab und zu den Leuten den Finger zu zeigen .

Wir leben unser Leben, die anderen ihres .

Und letzten Endes wollen wir alle doch nur eins . Glücklich sein.

Und das fällt uns am leichtesten in unserem alten Camper oder im Meer. Mit oder ohne Tätowierungen .

Port Grimaud, Campen, Cool oder Plattenbau?

Camper:

Coole, Assis, Edelcamper, Glamper?

Wer sind Sie?

Wir würden gerne mal in die Zeit zurück reisen, in der unser Bus noch einer der großen Wohnmobile war. Wohin soll das noch führen? Umgebaute Reisebusse, ausfahrbare Riesenbusse, Pkw-Garagen im Heck? Morelo scheint die neue Edelmarke zu sein.

Wir haben ein tolles (und cooles) Paar aus Österreich kennengelernt, die mit einem 208er Mercedes unterwegs sind. Er sagte, man fühle sich teilweise wie im Hinterhof einer Plattenbau-Siedlung. Weder Licht noch Luft, wenn diese Riesen um einen herum stehen. Ein toller Satz. Danke Hermann!

Wir entscheiden uns lieber für das coole, wenn wir Luxus haben wollen, fliegen wir in ein Hotel und fahren nicht auf einen Campingplatz.

Läbba geht weida

Nach der ernüchternden Geschichte in Savona und der Erkenntnis die Erwartungen am Boden zu halten , fahren wir weiter Richtung Port Grimaud/St Tropez.

Eigentlich wollten wir noch eine Übernachtung Nähe Cannes einbauen , haben aber morgens nach dem aufwachen und kurzem Blickkontakt beschlossen , durch zu fahren .

So schnell hatten wir selten zusammengepackt . Ab auf die Autobahn, nix Küstenstraße . Ans Ziel wollen wir.

Unterwegs melden sich unsere Stuttgarter Freunde. Sie sind kurz hinter uns auf der Autobahn .

Überholen uns , machen ein Video , Meeting am Rastplatz .

Total schönes Gefühl in der Ferne ein Stück Heimat zu treffen .

Und mit dem Stück Heimat oder besser zweien verbringen wir die nächsten zehn Tage . Wir im Mo, die beiden in der Ferienwohnung über den Strand zu erreichen .

Wir haben ein gutes Gefühl . Wohlig warm. Dennoch erwarten wir nichts . Sind einfach froh und gespannt und freuen uns .

Wie Eddie. Der lebt auch im Moment . Nicht gestern . Nicht morgen . Heute .

Und fühlt sich etwas gut an , lächelt er.

Eigentlich ganz einfach . Oder ?

Aufgewärmt Teil 2

Weiter gehts, vom Lago Maggiore ans Meer. Erst noch die teuerste Tankstelle Italiens angefahren, genau die, die Herr Müller meiden wollte, da sie ja letztes Jahr schon die teuerste war. Und jetzt, wieder dort. Kurz hinter Luino auf der Landstraße, aber 15 Cent teurer, als auf einer Autobahnraststätte. Aber dafür ja in der Dieselteuren Schweiz nicht tanken müssen. Naja, nächstes Jahr denken wir dran.

Wir wollen ans Meer, wenn alles gut läuft nach Savona. Herr Müllers Favorit. Kleiner Platz, Stellplatz direkt am Meer. Eine kleine Kirche nebenan, die mit ihren Glocken ein Lied spielt. Eine Pizza und ein Bier direkt vor Mo und dem Meer.

Die Fahrt läuft super, wir kommen dort an, bekommen einen Platz, eigentlich alles top.

ABER?

Irgendwie fehlt das feeling, es fühlt sich nicht so an wie erhofft.

ABER WARUM?

Es ist alles perfekt, wir stehen direkt am Meer, waren Baden, essen die Pizza vorm Mo und trinken ein Bier dazu. Perfekt, aber war die Vorstellung, dies zu toppen? Kann man es toppen? MUSS man es?

NEIN,

Es ist einfach perfekt, man muss es nicht immer noch besser, noch perfekter haben. Man muss mal wieder auf den Boden zurück kommen.

Am nächsten morgen spielt die kleine Kirche das Lied. Das ist Glück. Die kleinen Dinge im Leben machen einen glücklich. Dessen sollte man sich immer wieder bewusst sein.