Endlich wieder on Tour…

21.07.2019, Abfahrt. Zu dritt. Mo war nochmal in der Box. Alles top.

Nach perfekter Generalprobe kann es jetzt wieder mal los gehen.

Am Freitag noch einen kleinen Abschieds-Umtrunk und ein Überraschungsbesuch aus dem „Ländle“. Ein toller und gelungener Abend. Samstag packen, aber ohne Stress. Lieber noch ne Runde an den See spaziert. Der Besuch muss sich ja auch lohnen. Wir packen am Sonntag und wenn es später wird, dann fahren wir eben nur bis Biblis, da haben wir letztes Jahr auch angefangen. Wir schaffen es, 14.00 h ist Abfahrt. In Dormagen ( also für alle nicht-Spediteure zwischen Köln und Düsseldorf) gibts einen Platz direkt am Rhein. Ist Richtung Norden, näher ans Meer und eine fahrbare Etappe. Auf dem Weg kam uns die Idee, doch gleich Richtung Holland zu fahren. Das Land, das gerade mit Namen wie UvdL oder AKK glänzt,auf dem schnellsten Weg zu verlassen, erwies sich als super Idee. In Aachen über die Grenze, der ersten Campingplatz angefahren und den letzten freien Stellplatz ergattert.

ES LÄUFT….

Cool moms don‘t jugde oder nachgeholter Schwanzvergleich….

Es nervt…..

Manche Mütter holen wohl gerade den, in der Pubertät nicht gehabten, Schwanzvergleich anhand ihres Babys nach.

Es wird nur ausgefragt, gelöchert und verglichen.

„Kann er schon das?, macht er schon das?, hat er schon das?, schläft er schon durch?“

Oder:

„Meiner kann aber, meiner macht aber, meiner hat aber, meiner schläft ja schon lange durch.“

Es sind Babys. Sie werden alle ihren Weg gehen, werden alle die Dinge lernen, die sie benötigen. Der eine etwas früher, der andere etwas später.

Irgendwann werden sie Phasen haben, in denen sie eine Flasche Bier schneller trinken, wie es uns lieb sein wird und vielleicht sogar wie wir in unseren besten Zeiten. Oder in der sie sich von 2 oder mehr Tiefkühlpizzen pro Tag ernähren.

Worte wie z. B. Vorzeigekind, hochbegabt oder unterfordert machen uns Gänsehaut am ganzen Körper.

Wenn alle Supereigenschaften des Babys ausgeschöpft sind, geht es mit der Ausrüstung weiter:

„Mein Kinderwagen ist viel wendiger und kann ja das und das…“

Für manche Mütter wünscht man sich wirklich, sie wären mal pubertierende Jungs gewesen und hätten den „Schwanzvergleich“ bereits in der Pubertät abgehakt. Dann würden sie auch den Spruch:“ …auf die Technik kommt es an…“ besser interpretieren können.

Wenn der Neid nicht überall einen so großen Stellenwert hätte, wären vielleicht auch einige Babys entspannter.

Man soll nicht vergessen, dass die kleinen Wesen das größte sind, was man sich vorstellen kann und was man je erlebt hat. Und, da können wir zwar nur für uns sprechen, man ALLES für das kleine Wesen tun würde.

Wir freuen uns jeden Tag zu sehen, dass es ihm gut geht, er glücklich und zufrieden ist und auf alles neue, was er lernt, kann und macht.

Ooops we did it again ..!

Ja wirklich , ehrlich , wir haben es getan ! Wir haben den Mo beladen , sind eingestiegen und los gefahren !

Aber der Reihe nach :

Letztes Jahr auf Elba haben wir ein Päarchen kennen gelernt . Sie parkten uns mit ihrem Riesenbus zu . Und dann : erst gabs den Mittelfinger und dann eine Freundschaft. Und : Eva hatte den gleichen Entbindungstermin wie Mimi. Sachen gibt’s !

Also in Kontakt geblieben und spontan ein Treffen mit unseren neuen Jungs verabredet .

Alles ausgebucht aber im Nahen Osten gibt’s noch Platz für zwei Wohnmobile. Direkt am See . Trotzdem ohne Mücken . Ein Traum !!

Die Fahrt dorthin eeeeassyyyy.. Mo schnurrt , Eddie pennt .

Mimi und Herr Müller fühlen sich pudelwohl und sind nostalgisch .weisst du noch letztes Jahr ..?

Das Wiedersehen mit Eva und Christian: perfekt ! Entspannt , viel zu reden , Zeit zu relaxen und unsere Babies zusammen : nochmal perfekt . Wir haben die gleichen Vorstellungen wie wir mit unserem Nachwuchs leben und er mit uns. Darauf trinken wir eins direkt am See und vielleicht auch noch eins . Eva kocht für uns .rundumsorglospaket.

Das Leben kann so gut sein. Wenn man es zulässt . Wenn man seinem Bauch folgt . Spontan ist . Neugierig . Und vor allem : ohne Erwartungen . Man kann nur gewinnen . Und sich freuen , dass man sich traut . Sich getraut zu leben !

Mittlerweile steht Mo wieder unten im Hof und wir sind zurück .

Ausgeladen ist er nicht und wird er nicht . Wir werden nämlich weiter leben , wieder einsteigen und wieder fahren . Demnächst . Wohin ? Das werden unsere Bäuche spontan entscheiden !

🙂

Links, rechts oder doch lieber Stillstand?!

Mittlerweile ist Eddie 22 Wochen. Und immernoch toll. Und immernoch pflegeleicht . So pflegeleicht wie eben ein Baby sein kann . Alles ist möglich mit ihm . Er ist meist vergnügt und freut sich , wenn wir uns freuen .

Aber Moment:

Wir wissen momentan garnicht wann wir uns genau freuen . Wir sind so im Alltag und im funktionieren, dass wir ganz vergessen mit dem tollsten Baby und dem tollsten Bus (Mo) zu leben !

Auf die Frage der Freunde und Nachbarn , wann es denn los ginge und wir doch Pläne hätten , antworten wir mit einem vagen „demnächst „, mal abwarten .

Aber was denn abwarten ??

Mimi hatte ihren Hirntumor Check . Das war aufregend . Im Hirn ist alles unverändert. Gut .

Eine neue Baustelle muss noch gecheckt werden . Also erstmal ruhig bleiben . Das Leben genießen . Die Liebe leben . Eine Familie sein .

Wir haben die Zeit und unsere Mittel reichen uns .

Unsere Gesundheit können wir weder kaufen noch “ schonen “ oder im Samtsäckchen aufbewahren .

Also lasst uns endlich wieder leben .

Den Mo satteln und los . Wohin egal . Familie Müller geht und findet ihren Weg !

Demnächst wieder mehr von uns ! Versprochen !

Kennenlernen

Eddie ist jetzt schon 14 Wochen alt. Die Zeit ist gekommen um mal zu sehen, ob er sich überhaupt im MO wohlfühlen wird. Es wird wärmer, der Regen wird weniger und es wurde allerhöchste Eisenbahn, ihn aus seinem Winterquartier zu holen. Die Plane runter, den Schlüssel gedreht, vorgeglüht und…

….er springt auf Anhieb an. Herr Müller hat Gänsehaut, wenn er schnurrt, wie eben so ein alter Diesel schnurrt. Es ist ein super Gefühl. Erinnerungen an letztes Jahr werden wach. Beim überprüfen des Luftdrucks der Allwetterreifen wurde Herr Müller klar, dass diese Reifen schon durch den Strand am Meer gefahren sind.

Mimi ist total begeistert, fühlt sich richtig wohl, strahlt. Und Eddie? Am Anfang etwas skeptisch, weiß noch nicht, wie er das laute, stinkende Ding einschätzen soll. Aber als er merkt, dass wir beide uns wohlfühlen und glücklich sind, ist er entspannt. Eine Probefahrt muss her. Nach 50 m schläft er. Klar, es schaukelt und macht Lärm. Natürlich fahren wir erstmal ans Wasser. Der erste Schritt ist getan.

Ein „Eddie on Board“ Aufkleber macht das ganze perfekt. Und das von den beiden, die immer über die dreieckigen „Baby an Bord“-Aufkleber vom Herr Hipp gelacht haben und diese sogar den „Achtung Turnierpferde“-Aufkleber gleichgesetzt haben. Aber es gibt diese Aufkleber auch in cool und Herr Müller war fast am überlegen, so einen Aufkleber auch auf das schwarze Auto zu kleben.

Jetzt müssen wir noch eine Übernachtung testen, bevor es losgehen kann…

Die Löffel Theorie

Irgendwie geht uns gerade die Ignoranz einiger Mitmenschen auf die Nerven . Nein, wir sehen nicht krank aus , nein , wir tragen den Kopf nicht unterm Arm und trotzdem sind wir krank . Will keiner hören , wir meistens auch nicht . Auf die Frage :wie läufts mit dem Kleinen immer die Antwort : alles bestens . Und ja , es ist alles bestens ! Eddie ist das tollste Kind der Welt (für uns) und Eddie ist sehr klug . Warum ? Weil Eddie genau so ist wie er ist . Weil Eddie Rücksicht nimmt . Leise ist , sanft fordernd.Meistens:-) Auf jeden Fall macht er es uns so einfach wie möglich. Weil ein Baby für uns schlichtweg überfordernd sein kann . Weil unsere Akkus schneller leer sind. Aber das sieht man nicht . Wir klagen nicht und wir haben keine Lampen auf dem Kopf die rot blinken .
Mal eine interessante Erklärung für alle die wissen wollen was eine neurologische Erkrankung so mit sich bringt . Hier wird über Lupus gesprochen, was stellvertretend für alle neurologischen Erkrankungen stehen kann.
Und nein, wir wollen auch jetzt nicht jammern . Wir sind überglücklich wie alles ist und wir schaffen alles . Klar , oder ?

Von Patrick Brendel in Systemischer Lupus erythematodes (Facebookseite) 

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Lupus_erythematodes

Meine beste Freundin und ich trafen uns wie immer einmal im Monat zum Mädels-Abend in einem kleinen Cafe. Wie die meisten Mädels in unserem Alter verbrachten wir die Zeit damit, uns über Männer und die neueste Mode und all dieses unwichtige Zeug zu unterhalten, wirklich ernsthaft wurden unsere Gespräche selten, wir hatten einfach nur Spaß und lachten viel zusammen. 

Als ich ein paar meiner Tabletten nach dem Essen einnahm, so wie normalerweise, schaute sie mir zu, ohne das Gespräch fortzuführen. Dann fragte sie mich einfach so, wie es sich anfühlen würde, Lupus zu haben und krank zu sein wie ich. Ich war überrascht, nicht nur wegen dieser plötzlichen Frage, sondern auch, weil ich annahm, sie wüsste längst alles, was es über Lupus zu wissen gibt. Sie war bei meinen Besuchen in der Klinik dabei, hatte meine Müdigkeitsanfälle mitgemacht, gesehen wie ich mich in fremden Badezimmern übergeben musste und mich zahllose Male getröstet, wenn ich vor Verzweiflung geheult hatte. Was gab es da noch zu wissen? 

Ich begann über die Medikamente zu sprechen, die Schmerzen und vieles mehr, aber sie schien mit meiner Antwort nicht zufrieden zu sein. Sie schaute mich mit diesem Blick an, mit dem kranke Menschen oft angesehen werden, pure Neugier über etwas, das man sich als gesunder Mensch nicht vorstellen oder verstehen kann. Sie fragte mich, wie es sich anfühlen würde, nicht physisch, sonder grundsätzlich, ich zu sein, ich und der Lupus.

Ich versuchte Haltung zu bewahren und schaute mich fragend um… Ich versuchte die richtigen Worte zu finden. Wie sollte ich eine Frage beantworten, die ich nicht einmal für mich selbst wirklich beantworten konnte? Wie sollte ich jedes Detail von jedem Tag an dem man als Betroffener mit der Krankheit kämpft, wiedergeben? Und wie sollte ich die Emotionen erklären, die ein Kranker jeden Tag durchlebt? Ich hätte einfach einen Witz darüber machen können, so wie schon oft, aber wenn ich nicht mal meiner besten Freundin erklären kann, was es heißt mit Lupus zu leben, wie sollte ich es dann jemals einem anderen Menschen erklären können? Ich musste es zumindest versuchen. 

In diesem Moment wurde die Löffel Theorie geboren. Ich schnappte mir schnell alle Löffel auf dem Tisch, ich griff sogar nach den Löffeln auf anderen Tischen. Ich sah sie an und sagte: „Bitte sehr, stell dir vor, jetzt hast du Lupus.“ Sie sah mich etwas verwirrt an, so wie jeder, dem aus dem nichts eine Handvoll Löffel gegeben wird. 

Ich erklärte ihr, dass der Unterschied zwischen einem kranken und einem gesunden Menschen darin besteht, Entscheidungen zu treffen. Oder besser gesagt darin, sich bewusst über Dinge Gedanken machen zu müssen, während der Rest der Welt dies nicht tun muss. Die Gesunden haben sozusagen den Luxus ihr Leben ohne solche Entscheidungen leben zu können, eine Tatsache, die vielen nicht bewusst ist und die viele nicht zu schätzen wissen. 

Die meisten Menschen starten den Tag mit einer Unmenge an Möglichkeiten und Energie um das zu tun, was sie gerade möchten, besonders junge Menschen. Für die meiste Zeit müssen sie sich über Folgen ihrer Entscheidungen keine großen Gedanken machen. Und um diesen Punkt verständlich zu machen, benutzte ich die Löffel. Ich wollte, dass meine Freundin etwas Reelles in den Händen halten konnte, was ich ihr wegnehmen würde, da die meisten Menschen nach einer schwerwiegenden Diagnose den Verlust des „Lebens, wie sie es kannten“ verspüren. Wenn ich ihr die Löffel wegnehmen würde, dann hätte sie eine Vorstellung davon, wie es sich anfühlt, wenn jemand oder etwas wie der Lupus plötzlich die Kontrolle übernimmt. 

Ich bat sie, die Löffel zu zählen und sie fragte warum. Daraufhin erklärte ich, dass man als gesunder Mensch unbewusst davon ausgeht, dass man einen unerschöpflichen Nachschub an „Löffeln“ zur Verfügung hat. Aber wenn du nun deinen Tag planen würdest, dann müsstest du genau Bescheid wissen, wie viele Löffel dir am Anfang zur Verfügung stehen. Es gibt keine Garantie, dass dir nicht ein paar Löffel auf dem Weg verloren gehen, aber zumindest hast du eine ungefähre Idee, mit wie vielen du beginnst. Sie zählte 12 Löffel. Sie lachte und sagte sie wolle mehr haben. Ich enttäuschte sie und sagte Nein, und wusste, dass meine Idee funktionieren würde, obwohl wir noch nicht einmal begonnen hatten. Ich wollte seit Jahren mehr Löffel und hatte bis jetzt noch keinen Weg gefunden, mir neue zu verschaffen, warum sollte sie dann mehr bekommen? Ich sagte ihr auch, dass sie sich nun immer bewusst sein müsste, wie viele Löffel sie noch habe und sie dürfte auch keine fallen lassen, denn ab jetzt würde sie nie vergessen, dass sie Lupus hat. 

Ich bat sie, die Dinge aufzuzählen, die sie den Tag über verrichtet, auch die unwichtigen. Sie begann sofort loszuplappern und nannte Arbeit und Haushalt und Freizeitaktivitäten und so weiter. Ich erklärte Ihr, dass sie jede einzelne Sache einen Löffel kosten würde. Als sie ihre Aufgaben zeitlich ordnete und mit dem „Fertigmachen für die Arbeit“ anfing, unterbrach ich sie und nahm einen Löffel weg. Ich sagte: „Nein, du machst dich nicht einfach für die Arbeit fertig. Du wachst auf und realisierst, dass du nach 8 Stunden Schlaf immer noch müde bist, du schaust auf die Uhr und bemerkst, du bist spät dran. Du stehst langsam auf und machst dir erst mal einen Snack bevor du irgendwas normales anderes machen kannst, damit dein Kreislauf in Schwung kommt und du deine Medikamente nehmen kannst. Denn wenn du das nicht tust, kannst du gleich alle deine Löffel abgeben und ein paar für den nächsten Tag noch dazu.“ Ich nahm ihr einen weiteren Löffel ab und sie realisierte, dass sie sich noch nicht einmal angezogen hatte. Duschen kostete auch eine Löffel, nur fürs Haare waschen und Beine rasieren. Alles Mögliche aus dem Schrank raus zu holen und eine Kleiderwahl zu treffen würde eventuell mehr als einen Löffel kosten, aber ich wollte sie nicht gleich überfordern. Ich erklärte ihr also, wie jede Aufgabe in kleinere Schritte zerlegt werden müsste und viele Details bedacht werden müssen. „Du ziehst dir nicht einfach etwas an, du hast Lupus und musst das gut durchdenken.“ Ich erklärte ihr, wenn an dem Tag meine Gelenke schmerzen ist alles mit Knöpfen aus dem Rennen; wenn die Sonne zu stark scheint, brauche ich was mit langen Ärmeln, aber nicht zu warm; wenn ich mich kränklich fühle, muss ich für Kälte- und Hitzewellen gleichermaßen ausgerüstet sein. Extra Zeit im Bad, um mich präsentable herzurichten, und noch mal 5 Minuten, weil ich mich ärgere, dass die Prozedur wieder so lange gedauert hat. 

Ich glaube sie begann zu begreifen, dass sie theoretisch noch nicht einmal auf der Arbeit war und nur noch 6 Löffel übrig hatte. Ich erklärte ihr, dass es wichtig ist, den restlichen Tag bedacht zu planen, denn wenn deine Löffel weg sind, sind sie weg. Manchmal kannst du dir von dem morgigen Vorrat etwas „ausborgen“, aber stell dir vor, wie schwierig dann der nächste Tag werden wird, wenn du den Verlust ausbalancieren musst. Ich musste ihr auch deutlich machen, dass ein Lupuspatient immer mit der Gefahr rechnen muss, dass er sich morgen eine Erkältung holt oder eine Infektion einfängt oder ähnlich Gesundheitsgefährdendes passiert. Also willst du nicht mit wenig „Löffeln“ auskommen müssen, da du nie weißt wann du sie mal brauchst. Ich wollte sie nicht deprimieren, aber für mich bedeutet ein normaler Tag, dass ich immer für den schlimmsten Fall ausgerüstet sein will. 

Wir gingen den restlichen Tag durch und ihr wurde klar, dass ein ausgefallenes Mittag einen Löffel kosten würde oder sich zu lange am Computer zu konzentrieren, genauso wie 10 Minuten auf der Fahrt nach Hause im überfüllten Bus zu stehen. Jetzt war sie gezwungen, ihre Entscheidungen zu überdenken und anders zu handeln, als sie es gewohnt war. Hypothetisch gesehen, musste sie viele ihrer geplanten Besorgungen streichen, um abends genug „Löffel“ für das Abendbrot und das Zubettgehen übrig zu haben. 

Als wir am Ende ihres „Lupus-Tages“ angekommen waren sagte sie, sie hätte sicher Hunger. Ich zählte zusammen und antwortete ihr, dass sie nur noch zwei Löffel übrig hätte. Wenn sie jetzt kochen wolle, hätte sie nicht mehr genug Energie um den Abwasch zu machen, würde sie außerhalb essen, wäre sie eventuell zu müde um sicher nach Hause zu kommen. Ich sagte ihr auch, dass ich gar nicht dazu gerechnet hätte, dass sie nach dem Arbeitstag wahrscheinlich so kaputt wäre, dass Abendessenkochen gar nicht in Frage kommen würde. Also entschied sie sich für eine schnelle Tütensuppe. Mit einem Löffel übrig könnte sie jetzt noch etwas leichte Hausarbeit machen, mit ihrem Freund eine Runde Karten spielen oder ein Bad nehmen, aber sie könne nicht alles tun, sie müsse sich entscheiden. 

Ich hatte sie nur selten sehr emotional gesehen und ich wollte sie auch nicht zu sehr beunruhigen, aber ich hatte nun das Gefühl, dass ich etwas erreicht hatte und sie mich besser verstehen würde. Sie fragte mich leise „Wie schaffst du das nur? Machst du das wirklich jeden Tag durch?“ Ich erzählte ihr, dass manche Tage leichter sind, an manchen geht alles etwas schwerer und an einigen Tagen habe ich mehr Löffel als an anderen. Aber ich kann diesen Umstand nie ungeschehen machen und ich kann den Lupus nie vergessen. Ich gab ihr einen Löffel, den ich in Reserve hatte und sagte: „Ich habe gelernt mein Leben zu leben und immer einen Reserve-Löffel in der Tasche zu haben. Man muss immer vorbereitet sein.“ 

Es ist schwer, eigentlich das schwerste für mich, lernen zu müssen, dass man einen Gang zurück schalten muss und nicht all das tun kann, was man möchte. Ich kämpfe jeden Tag darum. Ich hasse es, mich ausgeschlossen zu fühlen. Ich hasse es mich dafür entscheiden zu müssen zu Hause zu bleiben und nicht all die Dinge erledigen zu können, die ich erledigen will. Meine Freundin fühlte die Frustration mit mir. Ich wollte, dass sie versteht, dass das, was man normalerweise tut, wenn man gesund ist, für mich bedeutet, tausend kleine Aufgaben auf einmal zu erledigen. Ich muss über das Wetter, die Temperatur und den gesamten Tagesplan nachdenken, bevor ich den Tag in irgendeiner Weise beginnen kann. Wenn andere die Dinge einfach tun, muss ich eine Strategie aufstellen, als würde ich in die Schlacht ziehen. Es ist diese Lebensweise, die einen gesunden Menschen von einem Lupuspatienten unterscheidet. Es ist diese wunderbare Freiheit nicht nachzudenken, sondern einfach zu tun. Das vermisse ich sehr. Ich vermisse es, nie meine „Löffel“ zählen zu müssen. 

Wir redeten noch eine Weile darüber und ich glaubte, dass sie mich jetzt verstand. Wahrscheinlich würde sie nie wirklich nachvollziehen, was es heißt mit Lupus zu leben, aber vielleicht würde sie sich jetzt nicht mehr so oft beschweren, wenn ich mich nicht spontan zum Dinner mit ihr treffe, oder ich ihr versprochen habe vorbei zu kommen, nur um sie dann kurzfristig zu bitten doch zu mir zu fahren. Wir umarmten uns und als wir das Cafe verließen gab ich ihr einen Löffel und sagte: „Mach dir keine Sorgen, ich sehe das als ein Geschenk, denn ich bin dazu gezwungen, mir über jede meiner Entscheidungen Gedanken zu machen. Kannst du dir vorstellen wie viele Löffel die Menschen jeden Tag verschwenden? Ich habe keinen Platz für verschwendete Zeit, oder verschwendete Löffel. Und ich habe mich entschieden, heute Abend mit dir zu verbringen.“ Seit diesem Tag sprechen wir oft über meine „Löffel“, sie sind zu einem Symbol für mein Leben mit dem Lupus geworden. Und jedes Mal, wenn ich Zeit mit meiner Familie, oder meinen Freunden verbringe, sehen sie das als besonders, denn Sie haben einen meiner Löffel bekommen. 

Übersetzt aus dem Englischen von Patrick Brendel Quelle: The Spoon Theory by Christine Miserandin

Und hier sind unsere Notfall /Ersatzlöffel :

…Welt hinter Glas…

Max Mutzke sang dieses Lied diese Woche im Radio und es kam doch wieder etwas Fernweh auf. Obwohl es hier eigentlich recht schön sein kann. Wenn das Wetter mitspielt, macht es echt Spaß. Mimi fühlt sich noch nicht so wohl und vermisst oft die Stadt.

Eddie ist jetzt schon 8 Wochen alt. Der erste Versuch ihn mal für zwei Stunden bei Oma und Opa zu lassen, um mal wieder zu zweit als Paar etwas essen zu gehen, war ein totaler Erfolg. Alles hat super geklappt. Oma und Opa waren froh und der kleine hat uns scheinbar nicht vermisst. Die U3 hat er auch erfolgreich bestanden. Einzig, als die Sprechstundenhilfe nach unseren Vorerkrankungen fragte und Herr Müller sagte, er habe MS, sagte sie: Ach, da geht es Ihnen aber noch gut!!!!! Herr Müller sagte nur: Das wird auch so bleiben. Sie : Stress und Schlafmangel kann Schübe auslösen!?!?!?! Iss klar. Somit schafft sie es in das Bullshit-Bingo, dass es in vielen Foren gibt. Eddie kann für solche Personen schon das perfekte Handzeichen. Gut nur, dass Mimi ihr nicht geantwortet hat, sonst bräuchten wir einen neuen Kinderarzt, oder der Kinderarzt eine neue Sprechstundenhilfe.

https://www.youtube.com/watch?v=EuUsykEDN7A&feature=share

2019

Hallo erstmal wieder und ein frohes neues Jahr.

Das Jahr ist jetzt schon 5 Wochen alt. Genauso wie unsere neue Herausforderung.

Er heißt Eddie, ist am 28.12.2018 um 10.34 h mit 56 cm und 3590 Gramm auf die Welt gekommen.

Der Name entstand am Luganer See auf unserer Reise. Zuerst waren wir bei Morten oder Moritz. Als wir aber am Strand vom Luganer See lagen und einen Jungen beobachteten, war der Name perfekt.

Der Junge hatte bunte Schuhe und eine bunte Hose an, statt schwimmärmel eine Weste, hatte 2 kleine Zöpfe und war einfach der coolste am ganzen See. Als seine Mutter ihn dann Eddie rief, schauten wir uns an und der Name war „schon geschwätzt“.

Er hält uns ganz schön auf Trab, es ist anstrengend aber auch wunderschön. Wir sind teilweise am Limit, teilweise etwas darüber und teilweise im siebten Himmel.

Wir sind gespannt wie es weitergeht, also wie der kleine Prinz lustig ist, mal die erste Spritztour mit MO zu machen.

Es weihnachtet..!

Liebe Freunde , still ist es hier geworden .Aber ab und an schaut ja doch noch der ein oder andere hier vorbei . Und deshalb wollen wir es nicht versäumen euch ein wunderschönes Weihnachtsfest, tolle Geschenke , friedliche Tage mit guten Gesprächen und leckerem Essen zu wünschen !

Mo ist in seinem Winterquartier und wir sind fleißig am Nest bauen, widmen uns neuen Herausforderungen.

Alles Liebe und herzliche Grüße von uns bis zum nächsten Update 🙂

Herbstblues …oder eben nicht !

Eigentlich ist Herbst . Die Tiere richten sich ein Winterquartier, die Menschen bauen sich ein Nest . So auch wir. Alles ist ruhiger und friedlicher . Aber halt : es ist viel wärmer ! Es ist ein goldener Herbst , ein besonderes Geschenk , mit viel Sonne und Wärme . Vor lauter quiseln und wuseln und her richten , winterfest machen etc vergisst man ganz , das zu genießen . Nochmal inne zu halten , das Gesicht in die Sonne zu halten und einfach mal zu sagen : Danke !

Danke für die Wärme auf der Haut , der Sonne im Gesicht , vielleicht für eine schöne Begegnung, ein Lächeln , weniger Schmerzen , mehr Mut oder einfach für ein gutes Essen !

Woher diese besinnlichen Gedanken? Auch wir haben uns verhaspelt, schaffe , schaffe , Häusle bauen .. und dann eines schönen Nachmittags, sehen wir Mo mal wieder RICHTIG an. Wie er da steht und geduldig auf uns wartet .

Eigentlich sind wir schon wieder im quiselmodus, beschäftigt , wir haben doch keine Zeit . Aber dann geschieht es : wir sehen uns an , lassen alles stehen und liegen und steigen ein . Mo schüttelt sich und schnurrt . Er ist bereit . Wir fahren los ohne Ziel. Scheiben offen Wind um die Nasen, alter, vertrauter Geruch, lauter Dieselmotor.

Und : FREIHEIT!

Wir sehen uns an , brauchen nichts zu sagen . Sind glücklich . Dankbar . Das Leben fühlt sich gut an , wir fühlen uns gut an , Mo fühlt sich gut an .

Wir fahren planlos , landen am Rhein, treffen andere Camper , plaudern zwanglos , schauen aufs Wasser . Der Kopf ist frei , das Herz weit .

Wir sind glücklich . Und ja : Mo ist eine unvernünftige Anschaffung gewesen , ja , er ist eine Spardose . Aber wir mögen ihn , er ist unser Freund, Seelentröster, unser erstes kleines Heim. Er bleibt .

Und wer entscheidet eigentlich , was vernünftig ist ?!?!