Krankenhaus Teil???

Es ist soweit, Oktober, zuhause. Die schon dreimal verschobene Operation von Herr Müller steht an.

Irgendwas ist im Harnleiter, was da nicht hingehört und lässt die Niere nicht richtig arbeiten. Was es ist, kann man natürlich erst sehen, nachdem es entfernt und eingeschickt wird.

Ein kleiner Eingriff über die Harnröhre unter Vollnarkose.

„Klein“? – oder vielleicht doch nicht so klein. Es beschäftigt Herr Müller scheinbar mehr, als er denkt. Was ist da los? Was ist da drin? Was ist mit der Niere?

Bei dem letzten Krankenhaus Aufenthalt im Juni (akuter Blinddarm) war ein junger Mann mit Herr Müller auf dem Zimmer. Er hat eine Niere vor Jahren gespendet bekommen, die sein Körper jetzt abgestoßen hat. Also Niere entfernt, Dialyse, künstlicher Ausgang. Wow, das beschäftigt Herr Müller. Mehr als er es zulassen will. Immer. Tagsüber: leicht genervt von allem, leicht reizbar, sehr kurze Zündschnur. Nachts: wenig Schlaf, viel Kopfkino. Dialyse? künstlicher Ausgang? Tumor?

Seine positive Unbekümmertheit und Leichtigkeit ist auf Eis gelegt. Er redet wenig und lebt in seiner Blase.

Nach einem „vorstationärem“ Tag in der Klinik heißt es am übernächsten Tag einrücken. Um 6.15 h da sein. Um 10.00 h war die OP vorbei und Herr Müller wieder wach. Alles gut gegangen, die Engstelle beseitigt und 3 Proben entnommen und eingeschickt. Einzig ein Katheter, der aber natürlich wieder weg kommt.

Erleichtert. Die Niere wird sich wieder erholen und ein Tumor wird es schon nicht sein.

Also 2 Tage Ruhe im Krankenhaus genießen und dann wieder nach Hause. Er hat sich viel vorgenommen. Artikel schreiben, lesen, nach Autos schauen, Geschenke ordern.

Aber er ist leer. Es geht gar nichts. Weder tagsüber, noch nachts. Er kann zwar nicht schlafen, aber an etwas produktives ist auch nicht zu denken. Sogar statt Sudoku am großen Bildschirm wird nur irgendein Bullshit Spiel gespielt.

So ist es eben. Annehmen. Jede Medaille hat eben zwei Seiten.

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